Die seltsame Welt der Träume

Manche Menschen können sich besser, manche weniger gut an ihre Träume erinnern. Doch wir alle träumen jede Nacht. Währenddessen wissen wir nicht, dass wir träumen, oder? Wir nehmen die bizarrsten Traumerlebnisse urteilsfrei hin, durchleben sie einfach ohne darüber nachzudenken. Erst nach dem Aufwachen stellen wir fest, dass alles nur Fantasie war. Die Grenze zwischen Wachen und Träumen ist allerdings nicht so klar gezogen wie man glaubt.

Bewusste Träume

Es kann spontan geschehen, dass man sich bewusst wird, dass man träumt. Vielleicht erkennt man einen Traum wieder, den man schon einmal gehabt hat, aber nicht erst hinterher, sondern während des Traums. Man ist plötzlich in der Lage, das Traumgeschehen zu bewerten, sich eventueller Bizarrheiten oder Absurditäten bewusst zu werden, während sie geschehen.

Bewusste (luzide) Träume sind in der Regel bunter, lebhafter als normale Träume und sie sind auch besser zu erinnern. Möglicherweise hat man sogar Zugriff auf seine wahren Erinnerungen.

Ist man sich erstmal bewusst, dass man träumt, hat man grundsätzlich die Möglichkeit, das Traumgeschehen zu beeinflussen.

Interessanterweise hat man auch festgestellt, dass zwei Dinge während luziden Träumen äußerst schwer zu realisieren sind: Lichtverhältnisse verändern (wie eine Lampe ein- oder ausschalten) und Lesen (das Gelesene ergibt keinen Sinn oder verändert sich).

Falsches Erwachen

Auch wenn man während eines Traumes gewöhnlich seines Urteilsvermögens beraubt ist, sollte man doch wenigstens zweifelsfrei feststellen können, dass man aufgewacht ist.  Irrtum. So mancher Mensch ist schon vermeintlich aufgewacht, ist aufgestanden, hat sich zurecht gemacht, gefrühstückt und sich auf den Weg zur Arbeit oder Uni gemacht. Und das alles nur um dann beim tatsächlichen Aufwachen festzustellen, dass alles nur ein Traum war.

Falsches Erwachen kann auch mehrmals hintereinander auftreten. Der Unterschied zu einem normalen Traum, in dem man einfach träumt, irgendwo aufzuwachen und irgendwohin zur Arbeit zu gehen, liegt darin, dass die Traumgeschehnisse so ablaufen, wie sie auch in Wirklichkeit ablaufen. Der Traum bietet ein ziemlich genaues Abbild der Wirklichkeit. Auch glaubt man, sich daran zu erinnern, gerade noch geschlafen und geträumt zu haben, jetzt aber wach zu sein. Schliesslich hat man auch hier u. U. Zugriff auf seine wahren Erinnerungen.

Schlaflähmung

Stell dir vor, du wachst in deinem Bett auf und kannst dich nicht bewegen. Du nimmst deine räumliche Umgebung deutlich wahr und bist dir sicher, dass du wach bist. Du spürst die Matratze auf der du liegst, die Bettdecke, die dich bedeckt. Mit etwas Glück endet diese Lähmung nach einigen Sekunden und alles ist wieder normal.

Es kann jedoch auch sein, dass du während dieses Lähmungszustandes das Gefühl hast, eine Last drücke auf deine Brust. Es fällt dir schwer, zu atmen. Möglicherweise hörst du seltsame Geräusche, vielleicht Stimmen. Du siehst eine Gestalt oder seltsame Lichter. Vielleicht hast du aber auch nur das unheimliche Gefühl, da ist jemand in deinem Zimmer. Du bist von Panik ergriffen, versuchst vergeblich, dich zu bewegen. Plötzlich ist der "Spuk" vorbei.

Diese Erfahrung nennt man Schlaflähmung. Man spricht von hypnagoger bzw. hypnopomper Schlaflähmung, je nachdem, ob sie beim Einschlafen oder Aufwachen auftritt. So furchteinflößend diese Schlafstörung ist, so harmlos ist sie auch. Man kann lernen, diesen Zustand zu beenden indem man etwa vorsichtig versucht, einen Finger zu bewegen und sich auf das Aufwachen konzentriert.

Es hat seinen Sinn, dass man während einer Traumphase unfähig ist, sich zu bewegen. Man würde sonst seine Träume ausleben und möglicherweise sich oder andere verletzen. Manchmal setzt diese Lähmung jedoch schon ein, bevor man richtig eingeschlafen ist, oder sie dauert noch an, wenn man schon dabei ist, aufzuwachen. Manchmal kommen noch Halluzinationen oder Traumbilder hinzu, die von Furcht beeinflusst sind.

Früher nannten die Menschen dieses Erlebnis Alpdrücken. Sie glaubten, von Kobolden, Succuben, Inccuben oder Hexen heimgesucht zu werden. Jeder Kulturkreis hat seinen eigenen Mythos zu diesem Phänomen, z. B. "Old Hag" in der Gegend von Neufundland. Heutzutage berichten besonders viele Menschen mit den zu Schlaflähmung passenden Symptomen, von Außerirdischen besucht oder gar entführt worden zu sein.

Buchtip

Wer mehr über die Hintergründe von luziden Träumen, Schlaflähmung und ähnlichen Phänomenen wissen möchte, dem empfehle ich das Buch "Träume bewusst steuern - Über das Paradox vom Wachsein im Schlaf" von Celia Green und Charles McCreery (Fischer, ISBN 3-596-50392-2, 7,67 EUR). Es trägt die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte zusammen und liefert viele Erfahrungsberichte.